Der Canis Hydrophobikus

Heute habe ich Lotti geweckt, mit ihrem XXL Superdupermegaflauschrundumschutz Mantel in der Hand, beim Anblick des Mantels fängt mein armer armer Hund an zu zittern wie Espenlaub… OHHH NEIIIIN – während der Fusselpudding regelrecht unter 12°C Aussentemperatur aufblüht, und jedes Schlammloch beglückt umwühlt, schwankt et Lottchen zwischen Ekel und ichwerdebestimmtsterben. Kalt ist ja schon scheisse, aber REGEN ?? Regen ist die HÖLLE, mindestens.

Lotti ist ein Canis Hydrophobikus:

Der Canis Hydrophobikus löst sich bei leichtem Niesel bereits in seine Bestandteile auf oder droht wahlweise darin zu ertrinken, meistens beides gleichzeitig.

Der Canis Hydrophobikus ÜBERTREIBT NICHT.

Der Canis Hydrophobikus kann bei Regen auf dem Sofa quasi unsichtbar werden.

Die Blase fasst mindestens 4Liter und muss nur ca. alle 3 Tage geleert werden, sofern ein entsprechend dichter Busch als Regenschutz zu finden ist. Gsd haben wir zwei 50 Jahre alte Rhododendren, sonst wäre sie schon geplatzt.

Auch wenn der Canis Hydrophobikus eigentlich sonst beim Autofahren ebenfalls mindestens stirbt, bei Regen würde er mit Anlauf in den Kofferraum springen, so denn die Klappe auf wäre, drunterkrabbeln tut es aber auch, wie Lottis ebenfalls hydrophobe Vorgängerin Püps trotz schwerster Spondylose mal eindrucksvoll anlässlich eines sanften Sommerregens bewiesen hatte.

Manchmal fügt sich der Canis Hydrophobikus allerdings auch in sein Schicksal und hat dann -oh wunder- und dank dem XXL Superdupermegaflauschrundumschutz Mantel (Pomppa) doch ein bisschen Spass 😉 Vor allem, wenn er den Fusselpudding in die nasse Wiese einmassiert…

Ich freu mich schon auf den ersten Schnee 😉

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Schlechter Service

aber die Musik ist wohl ganz Ok..

 

Vermenschlichung vs. Empathie

„Hunde finden das unhöflich“, „Border Collies sind so anbiedernd“,“ der will dich Kontrollieren“.. und warum ich mit diesen Begriffen ein großes Problem habe.

Meine persönliche Top1 der vermenschlichten Begriffe für Hundeverhalten ist „Höflichkeit“.

Wikipedia sagt uns dazu unter anderem:

(…) Im Gegensatz zur Freundlichkeit, mit der man vertraute Menschen behandelt, ist die Höflichkeit stark durch gesellschaftliche Normen und Umgangsformen geprägt und drückt sich oft durch respektvolle Distanz aus. Je nach Kultur und Epoche finden sich sehr unterschiedliche Ausprägungen dessen, was als höflich gilt. Allgemein gültige Höflichkeitsregeln, die für alle Kulturen gelten, lassen sich daher nicht finden. (…)

Oft werden mit dem Begriff  die am deutlichsten sichtbaren Deeskalationssignale  bezeichnet, diese sind aber Teil der natürlichen, z.T. angeborenen z.T. erworbenen  Kommunikationsignale unter Caniden, welche auf Aktion und Reaktion basieren und in Abhängigkeit von Geschlecht, Status und Motivation flexibel angewendet oder eben nicht angewendet werden.

Höflichkeit beim Menschen bezeichnet hingegen keine direkte Kommunikation, sondern die Einhaltung bestimmter Normen -also einen künstlich verabredeten Grundkonsens an erwünschtem Verhalten, ein unhöflicher Mensch bringt allenfalls  DURCH den Bruch dieser Normen etwas zum Ausdruck. Wir assoziieren damit bestimmte Motivationen und schliessen auf Charakterzüge usw. Das Einhalten der Normen wird als positiv bewertet, ein Bruch negativ.

„Höflichkeit“ wird dem vielfältigen Verhaltensvarianten die Hunde zeigen, jedoch noch nicht einmal Ansatzweise gerecht, und der Begriff birgt sehr viel Potential, dieses Verhalten nach Menschlichen Normen moralisch zu bewerten, und schlimmstenfalls dabei die tatsächliche Motivation für das Verhalten zu übersehen.

Kommt es z.B. zwischen zwei konkurrierenden Rüden zur Rangelei, weil einer „unhöflich“ war, oder hat er mit seinem Verhalten vielleicht eher einen Anspruch/Status demonstriert, den der andere nicht anerkennen wollte ?

Bei welchem Begriff verwehrt einem die Schuldfrage, eher den objektiven Blick auf den Kontext des Geschehens ? „Aber DER hat doch angefangen!“ ist nämlich nicht hilfreich, wenn ich erkennen will, warum es da grade gescheppert hat, fatal wird es dann wenn es zwischen den Haltern zum Zoff kommt, welcher Hund denn jetzt der „Böse“ wäre.  GÄHN.

Neulich sagte mir jemand, nach Sicht einer 30 Sekundensequenz (Slowmotion auf 2 Min gestreckt) mein Hund sei vom Welpen total genervt, hätte gar keinen Bock auf das Spiel, das auch gar kein Spiel sei und Lotti wäre halt nur zu jung sich zu wehren, und wäre völlig überfordert und Hilflos.

Womit „Genervtheit“ prompt auf meiner Top2 der vermenschlichenden Begriffe gelandet ist.

Sofort kam der Einwand, das Tiere ja sehr wohl vergleichbare Emotionen hätten.

Definitiv JAIN.

„Genervt“ sind nur wir Menschen, „wenn wir die Faust in der Tasche lassen“ …doch eher von unseren ganzen kulturellen Hemmnissen und oftmals der erlernten Unfähigkeit, anderen z.B. Grenzen zu setzen, Harmoniesucht und Konfliktscheue,  weil wir glauben, höflich sein zu müssen, obwohl der andere uns grade gewaltig auf den Pis.. geht und uns eigentlich lediglich eine klare, eindeutige Ansage aus der Situation helfen würde.

Vor dem individuellen persönlichen Hintergrund bewerten wir „Genervtheit“ ganz anders und unter Umständen viel „dramatischer“als es ist, sehen den Hund als ebenso hilflos wie uns selbst an.

Sieht man es objektiver, erkennt man es als das, was es ist, nämlich als Konflikt, der durch entsprechende Kommunikations-Signale geregelt wird.  (z.B das erlernen der Beisshemmung) die dem Hund nicht angeboren, sondern die er, wie alle höheren -auch kommunikativen- Fähigkeiten als  soziales Lebewesen durch praktische Erfahrung im Spiel erlernen muss : Das ist zu doll, lass das – ok.

Die geäusserte Meinung zu dem Video ist da ein prima Beispiel, wie schnell Sachverhalte nicht nur vermenschlicht, sondern auch durch eigene Motive und unkritisch angewandtes  Halbwissen kognitiv verzerrt werden :

Da „diagnostiziert“ jemand aus einer recht banalen 30 Sekunden Sequenz und etwas Gezüngel – im Wechsel mit einer drohenden Spielgrimasse (eines entschärft das andere) einen genervten, hilflosen, überforderten, armen, vom Halter auf toxische Weise unverstandenen Hund.

Klar, Haku ist aufgedreht, denn Lotti war vom Sofa abgeschmiert und versuchte sich grade wieder hochzukämpfen, und Haku legte noch eine Schippe drauf.

Auch ein spielerisches Kräftemessen hat nun mal Wettbewerbscharakter, soll es doch die Fähigkeiten für den Ernstfall trainieren. Lotti handicapt sich selbst sehr oft im Spiel mit Haku, sie bevorzugt es, unter ihr auf dem Sofa zu liegen und sie auf sich rumturnen zu lassen, sie lässt sie beim Zergeln oft gewinnen usw, und wenn Haku unachtsam wird oder nachlässt -wird sie nicht selten in die Pfote gezwackt (auch in der Sequenz zweimal) um sie wieder anzuheizen , auch „verlieren“ muss in einem Spiel einen Preis haben. Lotti ist es, die Haku steuert, nicht andersrum. Alles, was Haku „kann“ hat Lotti ihr beigebracht. Und wenn Lotti eine kleine ernsthafte Geste macht, ist sofort Schluss und Haku wirft sich vor ihr auf den Rücken. Überfordert ist definitiv anders, und Lotti hat eine ausgesprochen deutliche Mimik. Und ja, manchmal „nervt“ ein Welpe, so what ?

 

CALMING SIGNALS ist für mich mittlerweile zu einem Reizwort geworden, ohne eine auch nur annähernd wissenschaftliche Methode werden viele Gesten in ein und denselben Topf geworfen und Status und Kontext dabei weitestgehend ausgeblendet auch wird kaum zwischen Beschwichtigung (von unten nach oben gezeigt) und Beruhigung (von oben nach unten) unterschieden. Zu einer objektiven Interpretation ist diese Unterscheidung aber mindestens genauso wichtig, wie der restliche Kontext inkl. der gesamten Körpersprache, wer nur aufgrund eines Züngelns massive Überforderung oder zumindest ein „Unwohlsein“ diagnostiziert (welches der Halter zudem auf jeden Fall zu verhindern hätte) , handelt in meinen Augen grob fahrlässig und massiv vermenschlichend, und, er spricht den Hunden jegliche eigene Kompetenz ab, eigene Erfahrungen zu machen und zu lernen.

Hätte ich mich für jedes Quitschen von Haku „dazwischen geworfen“, vielleicht sogar den vermeintlichen „Aggressor“ gemaßregelt- ich hätte dann einige Monate später einen Thread aufgemacht : Mein 40kg Junghund beisst mich und andere Hunde blutig, was soll ich bloß machen ??

Vielleicht ist es eigene Projektion, weil wir Menschen viel zu oft gelernt haben Konflikte generell als ganz bedrohlich und „böse“ zu erleben, und es die Tendenz gibt, Hunden den Willen zu generellen Konfliktvermeidung zu unterstellen. Konflikte sind jedoch sehr wichtig, um zu lernen und zu wachsen, sie sind essentiell für jedes soziale Lebewesen und miteinander. Solange sie nicht zum reinen Selbstzweck werden und nur dazu dienen, die eigenen Überzeugungen zu bestätigen, was imho ein ausgesprochen menschlicher Zug ist, den man in Hundeforen leider ganz vortrefflich beobachten kann.

Mir persönlich drängt sich da die Weiterführung des rassistischen Mythos vom „edlen Wilden“ auf, der Hund, als der „bessere“ Mensch…nur, was dieses „besser“ sein sollte, ist eben nicht selten ein Ergebnis unserer, in meinen Augen nicht grade artgerechten, Sozialisierung.

Das Problem mit uns Menschen ist doch, daß wir das Führen von Konflikten viel zu oft schon unseren Kindern (vor allem den weiblichen) zugunsten von Vermeidung „austreiben“, man teilt Emotionen per se und „Gut“ und „Böse“ ein, „Gut“ ist alles was friedlich ist, was einen „erdulden“ lässt, was einen „hinnehmen“ lässt, „Gut“ ist es, immer „Höflich“ und „Brav“ zu sein, Gemeinheiten zu ignorieren, „Gut“ sind Mütter, die sich „aufopfern“, „Gut“ ist es, wenn keiner Grenzen setzt (aber alle bitteschön ganz „lieb“ Grenzen erraten), wenn niemand mal NEIN sagt, oder „hör auf damit“. „Gut“ ist, wenn Kinder nie streiten, wütend, unverschämt  oder frustriert sind, „Gut“ ist, wenn immer alle „lieb“ zueinander sind.

Bis diese später, genau wie ihre Eltern schon, überfordert ausflippen, weil man gar nicht mehr in der Lage ist, aktiv und rechtzeitig auf eine unangenehme Situation wirksam einzuwirken, geschweige denn, die eigenen Grenzen zu spüren. Man agiert erst, wenn man hilflos ausflippt, weil unsere Genervtheit sich erst zu unkontrollierter Wut steigern musste, bis wir aktiv werden konnten. Wir „müssen erst Böse werden“, um eine Grenze zu ziehen.

Dabei sind all diese „negativ“ belegten Gefühle genauso berechtigt und legitim wie die „positiven“, denn sie haben eine Funktion, und der begegne ich mit höchstem Respekt.

Wenn man selbst erst Grenzen ziehen kann, wenn man die Beherrschung verliert und wirklich sauer ist, ist es auch kein Wunder, wenn man anderen dieselben Gefühle  unterstellt, wenn sie es tun, und dann Abgrenzung als entsprechend bedrohlich von anderen erlebt. Womit man die „böse/gut“ Kiste vortrefflich am Laufen hält.

…und genau SO funktioniert Empathie eben nicht, Empathie bedeutet nicht, sich zu fragen, wie man sich selbst fühlen würde, sondern nachzuvollziehen, wie und warum der andere sich fühlt, wie er sich fühlt und zwar unter Berücksichtigung seiner Persönlichkeit, seines Wissensstandes etc.- und in diesem Fall Artzugehörigkeit. Empathie hat sehr viel mit der Theorie of Mind zu tun. Und deswegen habe ich so ein Problem mit der unreflektierten Verwendung von menschlichen Begriffen.

Denn unsere „Gefühlsbegriffe“ sind mitnichten so neutral oder gar objektiv wie wir glauben, unsere Begriffe sind meistens von der eigenen Erfahrungswelt, Sozialisation, Kulturkreis und nicht zuletzt von unserem Geschlecht geprägt.

Hunden ist das alles gsd. herzlich egal, deswegen mag ich sie so sehr (und …. sie können nicht in Hundeforen schreiben 😛 ).

Das alte Spiel von MEINS und NICHT deins.

Zeit für einen Klassiker:

SO sehen Siegerinnen aus….(und Verliererinnen)

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Guck mal, ich leg den Ball DA hin.

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und JETZT interessiert der mich ÜÜÜBERHAUPT nicht mehr…

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Laangweilig….garnicht interessant…

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Schau mal schau mal ich habe einen viel tolleren Besen…komm doch (weg da) und hol ihn dir!

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Nöhöö.

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…ich guck garnicht hin…

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seh ich nicht, nönö…

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Wirklich, total langweilig das alles…

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Genau, komm ruhig etwas nääher…

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DEINE MUDDA ! WIRST DU STINKENDER XXL FUSSELPUDDING WOHL DEINE DRECKIGEN MATSCHPRANKEN VON MEINEM BALL LASSEN !

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OHHHM

Energielevel die erste: Ich habe hier zwei Jundspunde, 14 Monate 25kg und hochsensibel und depriviert mit BUMMS und 5 Monate 27kg und…..ein mentaler…. BACKSTEIN .

Beides ist gewollt, aber auch eine Herrausforderung, ich hatte diese Kombination schon einmal und die ging in die Hose, „Terrortoni“ so der „Arbeitstitel“  blieb dann halt Pflegi und wurde vermittelt, aber da war bei Beiden von den Vorbesitzern schon alles verbockt worden was man hätte verbocken können, die Hochsensible war am Druck und der Gewalt der Deeskalation „beraubt“ worden, und Terrortoni der XXL French Bulldog war solange „niedlich“ gewesen und „gemanaged“ worden- bis er es eben nicht mehr war, in Hände und Füße biss, wenn ihm was nicht passte und er ganz schnell über DHD verschenkt wurde. In Toni musste man auch mal reinmarschieren damit er überhaupt merkte, daß da die Grenze ist, Uschi kam auf die dazu nötige Präsenz und Energie nicht gut klar und reagierte sehr gestresst.

Aber diese hier sind ohne Altlasten, der Plan ist, daß Haku Lotti runterfährt und ihr Orientierung gibt – letzteres klappt auch ganz hervorragend, mit Haku gruselt Lotti sich nur halb soviel… ersteres folgt, wenn Haku ihre Endgröße von ca.70kg erreicht hat, wohl hoffentlich von alleine. Stumpf ist Trumpf.

Ich sehe an Lotti, welches Energielevel nötig ist, Haku zu bewegen, andere Hunde sind oft ein besserer Anzeiger als jedes Hundebuch, wie der andere tickt.

Aber mit Energielevel meine ich nicht agressiven, hektischen Umgang, sondern die „Konsistenz“ der Einflussnahme, Ruhig aber beständig (und in dem Maß, indem sie es noch altersgemäß verarbeiten kann), das Lakoko Training mit Uschi war da für mich ein Schlüsselerlebnis – allerdings ergänze ich es insofern: für jedes Nein mindestens zwei Jas. Ich sehe auch, wie Lotti Haku runterfährt und sie „durchsacken“ lässt wie ein Schwamm, anstatt zu „deckeln“. Ich habe selber zwei Kinder mit Autismus und Adhs, mit „überdreht“ kenne ich mich aus, und vor allem dank diverser „Pädagogen“ damit, wie es eben NICHT geht.

„Autorität“ will verdient sein, legitimiert sich nicht über „Gebrüll“ oder einem theoretisch beanspruchen Status,  sondern über Ruhe und wohlwollender Aktion statt Reaktion, Respekt ist nämlich keine Einbahnstraße.

Also man stelle ich vor, Lotti am kleinen Finger und Haku dank ihrer 27kg in der Faust (und zusätzlich am Halsband, weil sie sich bei meiner Tochter angewöhnt hatte, aus dem Geschirr auszusteigen), beständig bemüht, daß niemand eingewickelt wird und das Tempo/Richtung halbwegs gehalten wird. Mehr erwarte ich in dem Alter auch garnicht, ein Bernhardiner mit 5 Monaten ist eher mit einem 3 Monate altem „normalen“ Hund zu vergleichen, typische Spätentwickler in XXXL, und aufgrund der hohen Reizschwelle, bemerkt man oft nicht, wenn der Welpe „innendrin“ schon längst überfordert ist. Das ein Hund nicht aktiv wird, bedeutet ja nicht, daß er nichts mitbekäme.

Ich glaube, so ein Hund ist auf gewisse Weise anstrengender, als so ein Hund wie Lotti, bei ihr kann man allerdings dafür nachhaltiger Mist bauen, zumal eine Handaufzucht in der Regel deutlich weniger in der Lage ist, sich selbst zu regulieren. Bei Lotti braucht man „lediglich“ sehr viel Fingerspitzengefühl, und muss sehr genau die Energie dosieren, mit der man einwirkt, damit man sie nicht hochfährt anstatt runter.

Bei Haku braucht man stete Beharrlichkeit und Präsenz um sie davon abzuhalten, einen schlichtweg komplett zu ignorieren, und sie mental „bei der Sache“ zu halten, ohne hektisch zu werden, ich kann vom Hund/Welpen ja nicht erwarten, bestimmte Dinge gelassen zu sehen, wenn ich dabei regelmäßig die Fassung verliere. Wie der Herr, so das Gescherr…

Das wird bei so großen Hunden schnell zu einem Teufelskreis, denn man KANN sie ab einer gewissen Masse kaum noch „entspannt“ halten, umso wichtiger ist es in meinen Augen, sich garnicht erst anzugewöhnen, sie mit „Kraft“ zu halten. Deswegen lasse ich Haku stets einen gewissen Raum sich zu bewegen (sofern es die Sicherheit zulässt) , gebe dadurch aber auch die Chance, sich auch“ohne Zwang“ zu mir zu bewegen, ist der Raum zu klein, und jede Bewegung wird immer nur von der Leine begrenzt, oder forciert, ist dies nicht möglich, es entsteht schnell Widerstand gegen die rein mechanische Begrenzung, gestaute Energie/Bewegungsimpulse und Frust- ein Cocktail, der sich auf lange Sicht in Aggression steigern kann. Denn erstmal ist die Energie/Dynamik durch den starken Reiz nunmal „da“, und durch Verbote und Maßregelungen wird sie nicht „verschwinden“. Ich hatte vor 10 Jahren einen „gedeckelten/“verschlagenen“ Hund, der sich gehemmt auflud, und dann scheinbar plötzlich Explodierte, und es hat lange gedauert, das wieder herraus zu bekommen…. dann lieber etwas „unordentliches“ Gehampel vom Junghund/Welpen und am Ende eine weitere,“gemeisterte“ Situation.

20m hinter meinem Gartentor, beide sind noch „Montagsfrisch“ und „unsortiert“, und dann kommen die beiden Cattle Dogs (sehr bedauernswerte „Gartenhunde“) vom Nachbarn an den Zaun geschossen, und machen erstmal kräftig Radau, (inkl. wiederholtem zerfetzen des Zaunes, die Nachbarschaft kann ein Lied davon singen, wenn der Rüde  mal wieder ausbüchst und Spaziergänger überfällt).

Es ist die erste derartige Situation mit Haku, normalerweise gehe ich, wenn die Cattles draussen sind, andersrum… deswegen habe ich sie mitgefilmt, und ich finde, dafür macht sie das eigentlich schon ganz gut.

(Ich nehme mir vor, weniger „Haku“ und mehr Ansage zukünftig zu machen, zur Selbstkontrolle, sind Videos Gold wert, wenn ich nicht filme, habe ich auch in jeder Hand nur einen Hund lasse noch mehr Spiel und bin konzentrierter, ich wollte die Szene jedoch wegen der Dynamik zwischen den Beiden und den Staus Quo für mich festhalten, und werde das jetzt regelmäßiger üben, Haku ist ja nicht mein Hund, sondern der meiner Tochter, die in der Grunderziehung nicht geübt ist)

Richtung halten und nicht mitpöbeln, und die Dynamik soweit es geht verbal zu lenken, statt weiter zu zerren, darum geht es mir in dem Alter von Haku primär. Denn Zerren wird bei einem 70kg+ Hund und erstrecht bei Beiden schon bald keine Option mehr sein, wobei Lotti Gepöbel am Zaun ohne Hakus Energie inzwischen komplett ignoriert. Bei ihr alleine sah das mit ca. 6 Monaten und etwas mehr Übung so aus, mittlerweile geht sie da völlig gelassen dran vorbei, egal, wie sehr der Kuvaz sich aufregt.

 

Diese Kombination ist grade sehr anstrengend, aber auch genauso lehrreich, denn wenn ich es schaffe, MICH in einen tiefenentspannten und konzentrierten Arbeitsmodus zu bekommen, überträgt sich das auch auf die Hunde, Haku fährt deutlich runter, hört auf „blöd“ rumzuhampeln und Lotti wirkt auch zufriedener …. und erwachsener.

Und dann ist da plötzlich so ein „wir“ Gefühl…OOOHMMMM…bis zum nächsten Pferdeapfel…

Nachtrag: und so sieht es aus, wenn es dann mal gut läuft :), sogar am Fuchbau vorbei.

Ungefragte Erziehungstips…

Vor einigen Monaten  war ich mit Lotti bei dem Tierheim, aus dem ich sie geholt habe, leider wurde sie dort sehr reizarm und per Hand aufgezogen, so daß sie mir beim ersten Auto vor Angst untersich machend eine 2m Böschung hochgesprungen war…und sich vor allem und jedem fürchtete… da war sie 15 Wochen und sie zeigte deutliche Anzeichen eines Deprivationssyndroms:


Als Deprivationssyndrom beschreibt man die Folgen einer extrem reizarmen Aufzucht wärend der Prägephase (und darüber hinaus) Das Gehirn des Hundes reift nach der Geburt, besonders in den sog.Prägephasen, hier finden wichtige neurologische Verschaltungen zwischen den Hirnarealen (vor allem an der Amygdala, die dafür zuständig ist, eingehende Reize emotional zu bewerten und zu filtern) statt, wo „normal sozialisierte“ Hunde eine neurologische Autobahn mit vielen Generalisierungen ausbilden, gehen beim deprivierte diese Bahnen zugrunde, er hat später nur „dünne Trampelpfade“ um Situationen zu erfassen und ist sehr schnell überfordert und reagiert dann entsprechend ängstlich -bei mangelnder Unterstützung/Vertrauen dann auch aggressiv, sofern er keine andere Stratgie erlernen konnte oder überfordert wurde/wird.


Lotti kannte nichts, konnte sich als Welpe nicht wehren -und Flucht war keine Option, weil sie kaum laufen konnte, und wohin soll man in einem Zwinger auch fliehen… Schutz oder Orientierung durch ein Muttertier war ebenfalls nicht gegeben.
Alles was Ähnlichkeiten mit einem Futterwagen hat, sowie das Klappern von Blechnäpfen, Besen und Schläuche, Werkzeuggeräusche, sowie ergraute Männer machen (machten) Lotti extreme Angst… (Sie kam mit 3 Wochen ins Tierheim)(…)

Sie musste sehr kleinschrittig an alles herangeführt werden, und jedes Ding einzeln kennenlernen, wenn ein rotes Rennrad als OK abgespeichert ist, gilt das noch lange nicht für ein grünes, klapperndes Mountainbike, um das mit den Trampelpfaden zu verdeutlichen. Ein Innenstadtbesuch wäre mit ihr unmöglich.

Dieses Video ist von einem einzigen Spaziergang, da war sie ca.8 Monate alt.

Lotti fand nun eine alte Dame mit Rollator extrem gruselig, grollte und motze hinter mir versteckt…ich hockte mich zu ihr und beruhigte sie, wie fein und das alles ok ist. Lotti wuffte nur noch alarmiert, liess sich aber beruhigen und fing an, neugierig zu werden…

(wenige Minuten vorher war ihre Schwester geifernd und keifend vorbeigezerrt und in den Zwinger gebracht worden, die war zwei oder dreimal bereits aus der Vermittlung zurück gekommen, weil sie im Übersprung ihre Besitzer anging und ausgeprägte Futteraggression zeigte)

Da kommt eine Frau von einer Hundepension von ihrem Stand rüber (die auch die Schwester kennt) ja, JETZT hätte ich sie aber für das Bellen gelobt, ich solle das mindestens ignorieren, wenn nicht sogar maßregeln.

Und nein, ich lasse meinen besorgten Junghund nicht alleine (und wundere mich dann, wenn er die Situation später selbst „löst“ und mir nicht mehr vertraut, wenn ich zu einem Teil seines emotionalen Problems werde, anstatt ihm bei der Lösung zu helfen)

Ich sagte ihr, daß es da wohl eher um die Ursache, nämlich Emotionen- geht und nicht um gezeigtes Verhalten, und daß Niemand von Zuwendung ängstlicher wird, sehrwohl aber von Druck und Strafe – und dann hätte man einen Hund wie Lottis Schwester. „Ja ja da gingen die Meinungen wohl auseinander“

Wie ich diese oberflächliche Reduzierung auf Konditionerung verachte, menschenzentristische Kackscheisse, als ob der Hund keine eigenenen Motive hat sondern sich nur in Abhängigkeit vom Menschen bewegt/formt… und dann wundern, daß man mit reiner Symptombekämpfung eben nicht weiter kommt…

Ich merkte an, daß man einen verängstigten Welpen zur Sozialisation doch auch nicht einfach durch eine ihn beängstigende Situation schleifen würde…“dochdoch, da muss er dann einfach mal durch, so lernt der das.“ – Keine Fragen mehr.

Beim zweiten Mal, hat Lotti den Rollator nur noch angewufft, beim dritten Mal nur geschaut, beim vierten Mal ignoriert, und beim fünften Mal sind wir Schnuppern gegangen und sie hat die alte Dame freudig und „erleichtert“ begrüsst. Und nein, ich habe es mir nicht nehmen lassen, dafür zu sorgen, daß die Trulla das auch mitbekommt…

Da ich zwei autistische Kinder habe (und selber betroffen bin) kommen mir Lottis Probleme mit der Reizverarbeitung sehr „normal“ vor, und leider auch die „Rezepte“ und „Analysen“ von Pädagogen und (einigen) Hunde“trainern“. *urgs*

Lottis Ataxie

12 Tage nach Püps Tod stehe ich an einem Innenzwinger eines Tierheims: „Nein, das kann ich nicht…das geht nicht, keine Welpen…“ Vor mir wuseln drei Rote Mädchen am Gitter….eines hat es mir angetan, ein Blick unbeschreiblich, glasklar und in sich ruhend, abwartend, unglaublich intensiv, sie hat eine dunkle Maske wie Püps es hatte. Hätte ich gewusst, das die da Welpen haben, ich wäre nicht hingefahren.

Doch dann sitze ich vor dem Zwinger und da ist MEIN Hund, ich wollte schon immer einen „Checker“ so einen, der guckt und dann erst handelt…

Die ? ja DIE ist behindert…vermutlich Sauerstoffmangel unter der Geburt, die konnte noch nie richtig laufen, aber die Hüfte haben wir mal geröngt, die ist OK (der Hund war 6 Wochen bei der Aufnahme, da besteht die Hüfte fast nur aus Knorpel, aber geschenkt..)

Mir war klar, dieser Hund wird teuer unter Umständen sehr sehr teuer, aber da lassen so isoliert in dem Zwinger…das ging nicht, nachdem Uschi ihr Ok, gab machte ich den Vertrag.

Lotti zog ein, wackelig wie ein Pudding und kaum Muskeln, also habe ich sie bange Monate ohne Diagnose stabilisiert, laufen lernen, Mukies aufbauen, Sozialisation nachholen – soweit möglich- Physio und beobachten. Ich „zwang“ Lotti zu einer langsameren Gangart als dem Gehoppel, und freute mich über jeden ordentlichen Schritt…

Aufgrund des Bunnyhoppings „diagnostizierten“ viele „schwerste HD“ und eine baldige Euthanasie. Als Lotti dann alt genug war, um auch die Hüfte beurteilen zu können, gingen wir zum Tierneurologen und 14 Tage später ging es dann ins MRT + HD röntgen, wenn sie denn schonmal schläft.

Die Hüften waren sehr gut, und für die Ataxie fanden wir auch die Ursache, ein Arachnoidales Divertikulum über 7-8 Wirbel, vereinfacht ausgedrückt, die Häute die normalerweise gleitend um das Rückenmark liegen, sind verwachsen und verklebt, dadurch entstehen Reizungen und Schwellungen im Rückenmarkskanal, die das Rückenmark quetschen die Ataxie begründen. Schmerzen hat sie keine, später werden sicherlich Arthrosen dazukommen, und wielange die Kreuzbänder das mitmachen… ? Wer weiß, aber das Leben gibt Niemandem irgendwelche Garantien, wir leben jeden Tag.

Heute ist Lotti 14 Monate alt, und kann bis auf ein paar Schritte immer noch nicht traben, und sie sollte auch keine zu weiten Strecken laufen, 7-8 km ist derzeit unser Maximum, und das reicht uns beiden dann auch.

 

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